Sati(e)risches aus der Tierheilpraxis

Du kennst sie…es sind liebe Menschen, mit großem Herzen, aber schwachen Nerven. Sie haben immer! Tiere die durch seltsames Verhalten auffallen.

Frau S. hat mit ihrem Border Collie Ronny sozusagen ein Dauer-Abo in meiner Praxis. Mindestens einmal im Monat sehe ich sie. Ronny hat nervösen Durchfall, Ronny schläft schlecht, Ronny ist außer Rand und Band…immer schaue ich auf der Bioresonanz, finde nichts körperliches und versuche Ronnys sensible Seele, die ein perfekter Spiegel seines Frauchens ist, wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Vor einiger Zeit hatte ich dann ein Erlebnis der besonderen Art.

Ich hatte bei Ronny in der Bioresonanzanalyse tatsächlich Probleme mit der Schilddrüse gefunden. Da der Hund ja so extrem hektisch und nervös ist, empfahl ich Frau S. eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte über ihren Tierarzt Dr. H.

Endlich gab es möglicherweise etwas greifbares für Ronnys Verhaltensauffälligkeiten.
Da Frau S. eine sehr unsichere Dame ist, bat sie mich, sie zu Dr. H. zu begleiten um alles Nötige zu veranlassen. Mir selbst ist immer daran gelegen einen guten Draht zu Tierärzten aufzubauen, deshalb willigte ich natürlich ein.

Wir fuhren also gemeinsam mit dem fröhlich kläffenden Ronny zur Praxis des Dr. H.
Da aufgrund des Geräuschpegels keine Unterhaltung möglich war, konnte ich mir in aller Ruhe überlegen, wie ich Dr. H davon überzeugen könnte, dass bei Ronny wahrscheinlich die entgleiste Schilddrüse für das unmögliche Verhalten verantwortlich ist. Bisher hatte er nämlich immer Frau S. misslungene Erziehung dafür verantwortlich gemacht. Ich muss gestehen, auch ich dachte das bisher…

Da Ronny auch nach Ankunft in der Praxis vollmundig weiter kläffte, kamen wir auch ohne Wartezeit dran. Guter Hund!

Im Behandlungszimmer versuchte ich dem netten Doktor, trotz Ronnys immer schriller werdenden Gekläffs, meine Bioresonanzanalyse und unser Ansinnen zu erklären. Der Doc guckte sparsam und konnte offensichtlich mit energetischen Blockaden, Meridianen und Chakren nichts anfangen.

Ronny scheinbar auch nicht, denn der beschloss plötzlich das hier seines Bleibens nicht mehr länger sei und versuchte hektisch die Flucht zu ergreifen.

Frau S. nutzt immer diese extrem praktischen Flexileinen, bei der sich auch prompt die Arretiervorrichtung löste um Ronny die erforderliche Freiheit zu verschaffen.

Der rasende Ronny hatte nun locker 10m Leine zur Verfügung, was er auch ausgiebig nutzte. In aberwitziger Geschwindigkeit umkreiste er den beleibten Doktor und mich. Die Leine zog sich stramm um unsere Beine, wir gerieten schwer ins Straucheln und haste-nicht-gesehen gingen der Doc und ich zu Boden.
Der dicke Doktor kam schnaufend auf mir zu liegen, der entfesselte Ronny sprang kläffend um uns rum und die hilflos kichernde Frau S. war außerstande das Chaos aufzuhalten.

Ich lag derweil immer noch unter dem schnaufenden Doc und fand diese Vereinigung von Schulmedizin und Naturheilkunde eigentlich sehr ausbaufähig. Katastrophen verbinden, oder?

Nachdem wir uns mühsam aufgerappelt hatten, den entfesselten Ronny eingefangen und Frau S. sich von ihrem hysterischen Lachflash erholt hatte, wurde der wilde Wusel mit Hilfe von zwei tapferen Gehilfinnen fixiert und bekam Blut entnommen. Immerhin ließ er das jetzt sehr brav über sich ergehen.

Der Doc war sehr erleichtert den Ronny endlich bezwungen zu haben und ließ verlauten, das er den Hund zwecks Erklärung des Blutbildes aber nicht gleich wieder sehen müsse. Das ginge auch telefonisch. Nun ja – mich beschlich der Verdacht, das der gute Doktor ganz froh war den Ronny nicht zu seinen Stammpatienten zählen zu müssen.

Ein paar Tage später bestätigte das Blutergebnis meinen Verdacht. Die Werte waren zumindest grenzwertig und es sollte eine Behandlung versucht werden in der Hoffnung den wilden Ronny etwas umgänglicher zu machen.

Frau S. wollte schulmedizinsch vorgehen um das Problem umgehend lösen zu können, was ich in diesem Fall sehr gut verstehen konnte.

Leider besserte sich das Verhalten des Berserker-Borders nur marginal, sodass ich ihr nun noch einmal ausdrücklich den Besuch einer Hundeschule nahelegte.

Die zaghafte Frau S. ist mit dem Temperament des rasenden Ronny schlicht überfordert.

Dr. H. legt in seiner Praxis nun immer meine Visitenkarten aus. Ob er das macht, weil er von meinen Fähigkeiten so überzeugt ist, oder aus Dankbarkeit weil ich seinen Sturz abgefedert hatte, bleibt im Dunkeln;-)

Ein kleiner interessanter Nachtrag: Ronny verbringt 3 Tage die Woche bei einer Hundesitterin. Diese kam mit ihm zu mir in die Praxis, weil Ronny sich den Fuß vertreten hatte…

Was soll ich sagen – ich hätte ihn fast nicht erkannt! Er war völlig gechillt, sehr an der souveränen und ruhigen Hundesitterin orientiert und wunderbar zu händeln. Ein Wunder? Nein…eigentlich eine ganz normale Reaktion. Hunde spiegeln ihre Menschen. Im Guten wie im Schlechten!