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Pulsatilla pratensis

Pulsatilla in der Tierheilpraxis

Pulsatilla, die Küchenschelle, ist ein häufiges Mittel in der Tierheilpraxis. Egal ob für akute oder chronische Fälle – Pulsatilla ist aus der täglichen Praxis nicht wegzudenken.

 

Woran kann man Pulsatilla erkennen?

Typisch für Pulsatilla sind abwechselnde, widersprüchliche Zustände. Diese ziehen sich durch das gesamt Mittelbild. Sehr häufig: Durstlosigkeit in Zuständen, wo man eigentlich Durst erwarten würde – z.B. bei Fieber. Pulsatilla kann auch sehr verfroren sein und friert im warmen Zimmer, kann aber keine Hitze vertragen. Alles bessert sich an der frischen Luft, aber zu viel Wind wird nicht vertragen. Pulsatilla ist verfressen aber dennoch wählerisch…Man erkennt schon jetzt: Pulsatilla ist durchaus kompliziert;)

Der Gemütszustand typischer Pulsatillatiere ist in der Regel freundlich, anhänglich und liebevoll bis zur Aufdringlichkeit. Pulsatilla kann nicht allein sein und klebt am Besitzer oder der Herde. Sie benötigt dringend Aufmerksamkeit, die sie hartnäckig, auch mit viel Gejammer, einfordern kann. Pulsatillatiere reagieren auffällig eifersüchtig, allerdings nie auf aggressive Art. Viel mehr spielen sie sich aufdringlich in den Vordergrund und werden depressiv wenn sie nicht ausreichend beachtet werden. Da Pulsatilla nie genug Aufmerksamkeit bekommen kann, verfolgt sie ihren Menschen oft auf Schritt und Tritt. Im Gegensatz zu Arsenicum album, wo dieses Verhalten einen Kontrollzwang darstellt, will Pulsatilla einfach nur möglichst nah bei ihrer über alles geliebten Bezugsperson sein.

Trotzdem kann Pulsatilla ein “Jedermannshund” sein ohne starke Bindung an seine Bezugsperson. Die Hauptsache es wird sich ausgiebig gekümmert. Wenn sie sich vernachlässigt fühlt tut sie das mit viel Gejammer, Gewinsel und Geheule kund. Beim Menschen ist kein Typ so nah am Wasser gebaut wie Pulsatilla.

Pulsatilla passt meist auf weibliche, sanfte, weiche, liebevolle Tiere. Es zeigen sich starke Unterwürfigkeit, auf den Rücken werfen mit Urinieren, Inkontinenz durch übermäßige Freude. Kindisches Verhalten auch beim erwachsenen Tier.

Es kann aber auch ein Mittel für männliche Tiere sein. Diese zeichnen sich dann ebenso durch die auffällige Sanftmut und Anhänglichkeit aus. Häufig sind es wenig durchsetzungsfähige Kastraten. Beide Geschlechter neigen zu Übergewicht. Diese Neigung ist zum einen dem eher schwachen Stoffwechsel geschuldet, als auch der aufdringlichen Bettelei, die Pulsatillatiere an den Tag legen können um ihre geliebten Leckereien ergattern zu können. Diese Eigenschaft führt nicht selten dazu, dass eine starke Fettleibigkeit entsteht. Übermäßig fette, kastrierte Kater, EMS Pferde mit entsprechender Gemütslage lassen häufig an Pulsatilla denken.

 

Häufige körperliche Pulsatilla-Symptome

Pulsatilla hat ein breites Spektrum körperlicher Symptome. In der Regel sind diese vergesellschaftet mit den typischen Gemütssymptomen.

Hormonsystem und Sexualorgane:

  • Vaginitis bei jungen Hündinnen mit weiß-gelblichem, cremigen, mildem Ausfluss
  • Scheinträchtigkeit mit starkem Nestbautrieb, Unruhe, hecheln und Mastitis, träge und depressiv – an der frischen Luft bessert sich alles
  • gutartige Mammatumore
  • Zyklusstörungen, verzögerte Geschlechtsreife
  • Wehenschwäche
  • Pyometra (meist geschlossen), kann Ausscheidung in Gang bringen
  • beim Rüden Prostatitis, Orchitis und Vorhautkatarrh
  • beim Hengst Präputialschwellung nach der Kastration
  • geht in der Mutterschaft auf und sorgt vorbildlich für ihren Nachwuchs, nur hier kann sie, zum Schutz ihrer Jungen, auch aggressiv reagieren
  • Erkrankungen erscheinen synchron mit der Brunst/Läufigkeit
  • Urtikaria durch unterdrückte Brunst/Läufigkeit
  • hormonelle Störungen nach Hormonbehandlungen

Ohren:

  • akute Gehörgangsentzündung mit gelblichem oder gelblich-grünem Eiter

Augen:

  • Konjunktivitis mit gelblicher, milder Absonderung, besonders bei Jungtieren
  • verklebte Lider morgens durch reichliche Absonderung
  • Tränenfluss im Wind

Bewegungsapparat:

  • häufiges Mittel für wechselnde Lahmheiten
  • alles bessert sich durch Kälteanwendungen
  • Fohlenlähme
  • Bursitis
  • Arthrose und Arthritis
  • Pferd: fühlige Hufe
  • Huflederhautreizung/-entzündung

Verdauungsapparat:

  • trockenes Maul mit wenig Durst
  • Verdauungstörungen durch zu fett, zu viel, zu kalt oder ungewohntem Futter, Diätfehler
  • Folgen von Schneefressen oder eiskalter Tränke
  • Durchfall nach Kaltwerden, nach Schreck, nach Überhitzung
  • Kein Kotabsatz gleicht dem anderen, immer wechselnde Konsistenz und Farbe
  • Durchfall wässrig, schleimig, scharf und wundmachend (im Gegensatz zu den sonst milden, nicht-wundmachenden Absonderungen)
  • häufiges Mittel für Kolik beim Pferd, Bewegung im Freien bessert auffällig
  • Verstopfungskolik

 

Ein Fall aus der Praxis…

Vor kurzer Zeit kam ein Tierhalter mit seiner jungen Labradorhündin (5 Monate) zu mir in die Praxis. Die Hündin ist sehr nett im Umgang. Sie hat ein freundliches Wesen und zeigt eine starke Anhänglichkeit zum Besitzer ist aber zu mir direkt zugänglich und liebevoll. Sie lässt sich gerne berühren, was die körperliche Untersuchung leicht macht. Körperlich wirkt die Hündin eher kompakt, aber hübsch anzuschauen. Der Grund des Besuchs war eine Vaginitis. Die Vaginitis trat vor der ersten Läufigkeit auf, der Ausfluss war gelblich, eher dick und nicht wundmachend.

Ein absolut typisches Pulsatilla-Bild! In diesem Fall waren die Beschwerden zwar akuter Natur, aber es zeigte sich auch konstitutionell das typische Pulsatillabild. Nach einer einmaligen Gabe von Pulsatilla C200 (RemaVet, konform mit dem TAMG) war die Entzündung nach 3 Tagen abgeklungen.

Pulsatilla ist eines der wenigen Mittel, das uns auch als Einzelmittel als RemaVet in der C200 ad. us. vet. zur Verfügung steht.

 

Wie ist das überhaupt mit dem Konstitutions-Typ?

Die Grundkonstitution wird genetisch geprägt, aber schon Schwangerschaft, Geburt und andere Lebensereignisse können bewirken, dass sich ein ganz anderes homöopathisches Mittelbild zeigt.  Insofern ist der Begriff “Konstitutionstyp”, von Kent geprägt, eher irreführend und führt zu Schubladendenken. Besser wäre es, einfach von “chronischen” und “akuten” Mittelbildern zu sprechen.

Jedes homöopathische Mittelbild zeichnet sich durch bestimmte geistige und körperliche Symptome aus. So kann eine “typische Pulsatilla” im Lauf ihres Lebens und im chronischen Krankheitsfall, trotz gleichbleibend liebevollem Wesen und “typischer” Optik, ganz andere Mittel zur Heilung benötigen. Wenn wir das nicht berücksichtigen, passiert es leicht, dass wir uns von den typischen konstitutionellen Symptomen, bei Pulsatilla dann z.B. der eher rundliche, weiche Körperbau, das mütterliche Wesen und das helle Fell (im Humanbereich wird die weibliche Pulsatilla oft als blond, hübsch-rundlich und mütterlich beschrieben) in die Irre führen lassen und nicht erkennen, dass hier ein ganz anderes Mittel benötigt wird. Daher ist es so wichtig immer die Gesamtheit der Symptome zu beachten! Sie werden zeigen, ob die typische Pulsatilla nicht gearde Silicea oder Natrium muriaticum benötigt.

Trotzdem kann es sinnvoll sein das ursprüngliche konstitutionelle Bild zu kennen. Immerhin spielt es bei der Entstehung, dem Verlauf und der Behandlung von Krankheiten in der Homöopathie eine große Rolle.

Konstitutionstyp hin oder her, grundsätzlich gilt, das Mittel was dem sich zeigenden Bild am ähnlichsten ist, passt am besten!

 

Pflanzenportait von Pulsatilla

Pulsatilla pratensis, die Küchenschelle, oder auch Kuhschelle genannt, gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse.

Sie wächst fast immer in kleinen Gruppen, selten allein. Wenn wundert es? Kann doch auch die homöopathische Pulsatilla nicht allein sein;) Auf die Bodenbeschaffenheit reagiert sie anpassungsfähig und wächst sowohl auf kalkhaltigem als auch kalkarmen Boden. Das Wachstum und die Blütezeit beginnen noch in der Frostperiode, die Pulsatilla pratensis schützt sich durch ein feines Haarkleid vor Schnee und Eis.

Ihre Blütenfarbe reicht von Hellrosa bis Violett.

Alle Homöopathischen Mittel aus dem Pflanzenreich gelten als verletzlich und emotional, gleichzeitig aber anpassungsfähig und wandelbar. Sie passen sich oft (ihrer Umgebung) an und lieben es zu gefallen. Auch Unsicherheit, gepaart mit dem Wunsch stark zu sein kann dem Pflanzenreich zugeordnet werden.

Grundsätzlich eigenen sich pflanzliche Mittel weniger für die Behandlung wirklich schwerer Pathologien als mineralische Mittel.

 

Quellen: “Praxisleitfaden Tierhomöopathie” Christiane Krüger

 

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